One Vendor – baut Amazon sein Vertriebsmodell radikal um?

Wie der amerikanische Technikblog Recode in einem Artikel vom 29. November berichtet, ist Amazon diversen Insider-Infos zufolge dabei, sein Vertriebsmodell radikal umzukrempeln.

Um was geht es? Amazon hat in seinen Anfängen seine Produkte zu Großhandelspreisen direkt vom Hersteller oder Lieferanten bezogen und sie dann zu Einzelhandelspreisen an Kunden weiterverkauft (Amazon Vendor). Im Jahr 2002 stellte das Unternehmen jedoch den Amazon Marktplatz vor; eine Plattform, auf der andere Händler – ob Großunternehmen oder einzelne Händler, Waren an Kunden über Amazon verkaufen konnten. Ziel war es, den bei Amazon verfügbaren Produktkatalog drastisch zu erweitern und gleichzeitig das Risiko des Lagerkaufs auszulagern.

Der Amazon-Marktplatz hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt und hat Amazon Vendor in der Bedeutung inzwischen sogar überholt (siehe Artikel von neuhandeln.de)

Der Erfolg des Amazon Marktplatzes dürfte für Amazon jedoch mittel- und langfristig zum Problem werden. Dafür gibt es mehrere Gründen.

  • Ineffizienzen in der Organisation und Struktur: beide Modelle arbeiteten bislang sehr autonom unter verschiedenen Strukturen und Führungen. Die Straffung beider Modelle unter ein gemeinsames Dach würde die Effizienz erhöhen und Kosteneinsparungen mit sich bringen.
  • Attraktivität des Marktplatz-Modells: für einige Marken kann der Verkauf als Drittanbieter über das Marktplatz-Modell unter Umständen weitaus interessanter sein als Amazon im Rahmen des Vendor-Modells zu beliefern. Preisgestaltung, Marketing und Produktpräsentation bleiben beim Marktplatz-Modell im wesentlichen beim Anbieter.
  • Zuviel Freiheit für Marken beim Marktplatz-Modell: speziell für Marken kann das Marktplatz-Modell eine interessante Alternative darstellen. Zugleich hat Amazon jedoch nicht mehr die gewünschte Kontrolle.
  • Negatives Kundenerlebnis: Amazon ist extrem auf ein positives Einkaufserlebnis beim Kunden fokussiert. Die verschiedenen Vertriebsmodelle können bei vielen Kunden Verwirrung stiften

Mit „One Vendor“ könnte Amazon mehrere Baustellen schließen.